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Explorer Session 02

- LAB100

Grundsteinlegung digital: Information als Bausubstanz

26.Juni 2018: Explorer-Session im LAB100
Bei den Explorer-Sessions werden an verschiedenen Terminen im LAB100 Innovationen und Lösungen entlang der Prozesse des Lebenszyklus einer Immobilie im Kreis von Experten vorgestellt und diskutiert. Am 26. Juni führten die Unternehmen Raumgleiter, Inspacion, buildup und Doozer in spannenden Kurzvorträgen durch die vielfältige Welt der PropTechs.

«Das 3D-Modell steht im Zentrum des Dialogs» stellt Daniel Kapr, der Managing Director und Partner des Zürcher Architekturbüros Raumgleiter AG, fest. In seinem Best-Practice-Referat zum digitalen Architekturwettbewerb für das 20'000 Quadratmeter grosse vanBaerle-Areal in Münchenstein, erklärt er, dass sich das Immobilienplanungswesen von unübersichtlichen Papierplänen über den heutigen Standard physischer Modelle bis hin zu ausgereiften, dreidimensionalen Computermodellen entwickelt hat. Im Rahmen der von Raumgleiter durchgeführten Ausschreibung für das Areal, wurden von acht verschiedenen Teams Konzepte zur Bebauung der Flächen eingereicht. Der Clou dabei: Auf klassische Papierpläne sollte komplett verzichtet werden. Die Projektentwicklung musste vollständig unter Einsatz virtueller Modelle vonstattengehen. Die Vorteile dabei sind beachtlich: Kapr erklärt unter anderem, dass die Bewerber durch die Interaktivität der Modelle eine Zeitersparnis von über 50 Prozent erreichen und sämtliche Ergebnisse in gleichmässig hoher Qualität vorweisen konnten. Auch für die Beurteilungsjury boten die konkrete Betrachtung der tatsächlichen Gebäude, anstelle einer klassischen Planinterpretation, sowie ein hoher Interaktionsgrad maximale Mehrwerte aus dem Zusammenspiel von Prozessen, Technologien und Menschen.

Ebenfalls in der Planungsphase angesiedelt, aber mit den späteren Nutzern der Immobilie im Fokus, dreht ein ETH-Spin-Off mit seiner Virtual Reality Technologie die Zeitleiste um und macht Gebäude begehbar, bevor sie existieren. Thomas Nescher, CEO von Inspacion erklärt, wie sein Unternehmen Betriebswissen bereits in der Planung effektiv nutzbar macht. Wo früher aufwändige Mockups und ausdrucksschwache Planskizzen Aussagen über die zukünftige Nutzung liefern sollten, setzt das Unternehmen mit VR-Technologie an. Auf diese Weise können Nutzer das Gebäude vor Baubeginn begehen und nach ihren spezifischen Bedürfnissen einrichten, testen und optimieren. Nescher berichtet, dass Nutzer einen Raum innerhalb von zehn Minuten vollständig einrichten können. Das ist möglich, da Inspacion den virtuellen Zwilling des Gebäudes vollständig begehbar macht. Ein psychologischer Effekt lässt die virtuelle Fläche unendlich weit begehbar erscheinen, ohne dass der Nutzer die Wände des realen Raums erreicht. Aktuell konzentriert sich das Unternehmen mit seiner Lösung auf Krankenhäuser, aber auch viele andere Anwendungsgebiete sind im Kontext der Technologie von Inspacion hochrelevant.

Vier Prozent des Gesamtwerts einer Immobilie stellen die zugehörigen Informationen dar. Paul Curshellas, CIO von buildup, möchte verhindern, dass diese Daten wie bisher im klassischen Zyklus verloren gehen. Sein Credo: «Informationen einmal aufbereiten und mehrfach nutzen». Um diese Nachhaltigkeit zu erreichen, hat buildup die SwissBIMLibrary ins Leben gerufen. Mithilfe dieses «Google des Bauens» lassen sich relevante Bauinformationen finden. Dabei werden die Datenbank der Library selbst und das Internet durchsucht. So lassen sich alle relevanten Informationen auf einen Blick finden. Curshellas erklärt, dass Industriewissen in die Bauwerke integriert werden soll. Dazu liefert buildup neben umfangreichen Filteroptionen für die Suche auch direkt Preise und Produktinformationen. Und das, dank vielfältiger Integrationsmöglichkeiten in verschiedenste BIM-Applikationen, sogar direkt für virtuelle Bauteile.

Den Abschluss fand die Explorer Session mit dem Beitrag von Rainer Schulze von Doozer. Schulze möchte «Sanierung einfach machen» und erklärt, dass mit der Webplattform Doozer die Vermittlung von Aufträgen und Handwerkern voll digitalisiert sei. Innerhalb von weniger als 30 Minuten können Nutzer Aufträge aussenden und mit einem Klick komplette Sanierungspakete buchen. Das Tool profitiert dabei von den 3'000 – 4'000 Wohnungen, die das ursprüngliche Ingenieur- und Architekturbüro saniert hat, indem mit den daraus resultierenden Daten intelligente Benchmarks in die Webplattform integriert werden konnten. Im Jahr 2017 wurden so über 12.000 Aufträge mit einem Gesamtvolumen von ca. 80 Millionen Euro in Deutschland vermittelt. Neben der Möglichkeit, mobil und digital Handwerker für exakte Wohnungsprofile zu beauftragen, bietet Doozer auch die Möglichkeit zur Tagesaktuellen Preisgestaltung, wie Schulze bei Gesprächen während des anschliessenden Apéros offenbart. Das in Deutschland etablierte Unternehmen möchte sein Angebot nun auch auf den Schweizer Markt ausweiten.

Die Explorer Session am 26. Juni war wieder einmal ein Beweis dafür, welch grosses Innovationspotenzial in der Immobilienbranche steckt. Mit disruptiven Technologien und Methoden dynamischer Unternehmen, lassen sich Prozesse über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes hinweg optimieren. Die nächste Explorer Session findet am 11.09.2018 - wie immer - im LAB100 an der Lagerstrasse 100 in Zürich statt.